Abschied aus einer Gemeinschaft2017-01-20T16:37:08+00:00

warum kirche

Abschied aus einer Gemeinschaft

Nachdem seine Firma in Konkurs gegangen war, so erzählt mir ein Freund, hat er sich gerne in leere Kirchen gesetzt: „Das hat mir Trost gegeben.“

Viele Menschen suchen Trost in der Kirche. Wenn ein Freund stirbt. Wenn der Job wackelt. Wenn die Diagnose Krebs lautet. Wenn der Partner geht.

Viele Menschen suchen in der Kirche aber auch einen Ort für ihre Freude. Wenn die Prüfung gelungen ist. Wenn die Krankheit überstanden ist. Wenn die Geburt gut gegangen ist. Wenn das Leben einfach schön ist.

Und viele Menschen suchen in der Kirche Kraft für das, was kommt. Für die Schule oder das Studium. Für den neuen Job. Für das Leben zu zweit. Für die neue Verantwortung als Eltern. Für den ersten Besuch der Schwiegereltern. Für die neue Verantwortung als junge Familie.

Die Kirche ist ein guter Platz für Glück und Leid, zum Bitten und zum Danken.

Warum?

Weil die Kirche mehr ist als ein Raum. Die Kirche, das sind Menschen. Menschen, die daran festhalten, dass es einen Gott gibt, dem niemand egal ist.

Die Kirche besteht aus Sündern, aus Scheinheiligen, Angebern, Verlogenen, Machtgierigen und Langeweilern. Und aus Menschen, die ihrem Gott nahe und zu allen gut sein wollen. Oft sind es ein und dieselben. Sie haben die ersten Volksschulen gebaut und die ersten Waisenhäuser, die ersten Spitäler, in denen Reiche wie Arme behandelt wurden.

Und sie kümmern sich auch heute um Verlassene, Ausgegrenzte, Notleidende, Verzweifelte. Sie begrüßen die Neugeborenen auf dieser Welt und halten den Sterbenden die Hand.

Weil sie selber Halt und Stütze gefunden haben, versuchen sie, das auch für andere zu sein.

Was immer die Kirche auch falsch gemacht hat: Seit 2000 Jahren ist es ihre Kernaufgabe, einen Weg zu Gott und einen Weg mit Gott anzubieten. Und eine Gemeinschaft, die diesen Weg begleitet. Im Glück und im Leid. Im Alltag und zu den besonderen Stunden des Lebens.

Trost, Freude und Kraft der Kirche kommen daher: dass Gott uns liebt, uns aufrichtet und für uns im ewigen Leben die endgültige Geborgenheit und Anerkennung bereithält. In Gott sind wir gut aufgehoben, und die Kirche sollte davon eine Ahnung geben.

Die Kirche verlassen, heißt nicht, die Freundschaft mit Gott aufzugeben. Aber es ist der Verzicht auf einen erprobten Weg und ein Abschied aus einer Gemeinschaft. Die Kirche zu verlassen, schafft Distanz nicht nur zu ihren Schattenseiten, sondern auch zu ihren Sonnenseiten – und Distanz auch zu den Menschen in der Kirche, die viel Gutes tun.

Ist ein Austritt bloß eine Formalität? Wo man zuhause sein könnte, ist man dann nur Gast. Damit hört etwas auf, das hätte werden können: ein gemeinsamer Weg durch das Dickicht des Lebens.

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